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Aktuelles

Interview mit Thimo Eckel.

Lokaso – das regionale Webkaufhaus

Von der Online-Chance für den regionalen Handel bis zum Problem mit der Apotheken-Kappe

Auch Kunden wünschen sich, wenn sie gefragt werden, gerne einen Händler vor Ort. Doch sie kaufen immer öfter online. Die Konkurrenz auch aus dem Internet stellt für regionale Betriebe eine Herausforderung dar. Das will Lokaso ändern. Und stößt dabei bisweilen auch auf Grenzen der aktuellen Rahmenbedingungen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Thimo Eckel.

Foto von dem Lokaso Geschäftsführer Thimo EckelQuelle: Lokaso

Die Idee, mit dem Lokaso Erfolg haben will, ist eigentlich einfach: Das regionale Web-Kaufhaus will inhabergeführte Einzelhändler digital gegen Amazon & Co antreten lassen. Das bedeutet Aufwand: Lokaso fängt mit der Digitalisierung jeweils dort an, wo der einzelne Händler steht. Von der Frage „Was ist eigentlich Digitalisierung?“ bis hin zum gesamten digitalen Marktplatz der Region.

Aus Siegen lernen – für ganz Deutschland

Alles begann in Siegen. Hier wurden die lokalen Händler über einen digitalen Marktplatz und gemeinsames Marketing mit den Kunden verbunden. Die regionalen Kunden kennen diese Läden aus ihrem täglichen Einkaufsleben, vom Geschenkhändler bis hin zu REWE oder EDEKA. Laut Eckel profitieren sowohl die kleinen als auch die großen Geschäfte von Lokaso: 

"Ein regionaler Marktplatz oder die Abbildung einer Innenstadt im Digitalen lebt davon, dass Synergie-Effekte über die Läden hinweg genutzt werden. Wir beobachten, dass durchaus die Kunden über die Händler-Grenzen hinweg einkaufen möchten. Und das, verbunden mit einer Lokaso-eigenen Eigenschaft, nämlich des kostenlosen Versandes in der Region. Dies führt dazu, dass die Kunden dieses Angebot sehr gut annehmen.”

Das Logistik-Problem: letzte Meile

Um es den Händlern leicht zu machen, verhält sich Lokaso im Laden wie ein Kunde:

“Der Händler hat mit dem Lokaso-Abholer praktisch einen Kunden vor sich und übergibt ihm einfach die Ware wie immer in einer Tüte an der Kasse”, erklärt Thimo Eckel. Lokaso kümmert sich um das Umverpacken und letztlich darum, die Ware am gleichen Tag zu den Kunden bringen.

„So entfällt für den Händler der gesamte arbeitsintensive Prozess nach der Ladentheke.”

Der Point-of-Sale wird an die Haustür des Kunden verlagert. Die Mitarbeiter von Lokaso übernehmen auch den Bezahlvorgang. Die Kundenbeziehung bleibt aber juristisch zwischen Händler und Kunde erhalten.

Logistik war auch eine der großen Herausforderungen.

“Die qualitativ hochwertige letzte Meile zum Kunden ist in Deutschland dünn besetzt.“

Lokaso musste Lösungen schaffen, damit die Lieferung am gleichen Tag gut funktioniert.

„Das bilden wir mit eigenen Lokaso-Fahrern ab.”

Überraschung: drastisch mehr Lebensmittel im System

Womit Eckel nicht gerechnet hat, ist die hohe Akzeptanz der Lebensmittel in einem regionalen Web-Kaufhaus. Da spürt Lokaso die Akzeptanz regionaler Händler wie Bäcker, Fleischer & Co bei den Kunden. Bei Lokaso sind es - im Gegensatz zu 0,8 bis 1,2 Prozent bundesweiter Umsatz mit Lebensmitteln - im Sieger-Land 25 bis 30 Prozent. Und da auch die großen Player im deutschen Markt immer mehr auf Same Day Delivery setzen, hieß es für Lokaso sich damit früh in der Kundenwahrnehmung zu platzieren.
Das Start-Up befindet sich mit seinem Pilotprojekt, nach eigener Aussage, in einem permanenten Lernprozess. Das beginnt beim Thema Kundengewinnung über die besten Kombinationen aus Offline- und Online-Marketingmaßnahmen bis zum Bereich der Daten-Strukturen. Übrigens: Mittlerweile ist Lokaso von anfangs rund 22.000 Artikeln auf der Plattform inzwischen auf mehr als 1,4 Millionen Artikel gewachsen.

Warum eine Kaffee-Rösterei dabei ist und Apotheken nicht

Bei Lokaso sind heute Händler unterschiedlichster Größen mit an Bord. Etwa ein Stoffgeschäft, in dem Nähkurse angeboten und danach die Stoffe verkauft werden. Oder eine lokale Kaffeerösterei, die Gutscheine über 1-Euro-Cappuccino in den Online-Shop einstellt. Damit kommen die Kunden in den Laden und holen sich noch einen Kuchen.

“In dem man online präsent ist, kann man über so ein Konzept seine Kunden auch wieder in die Innenstädte holen und diesen so viel beschworenen Effekt der Frequenz-Steigerung oder -Beibehaltung auch erreichen”, so Eckel.

Aber Lokaso ist auch davon abhängig, dass gesetzliche Rahmenbedingungen einen Online-Handel in den Branchen zulassen. Das ist beispielsweise gerade bei Apotheken, die sich gleichfalls mit Versand-Konkurrenz aus dem EU-Ausland konfrontiert sehen, noch ein Problem:

“Wir haben eine E-Mail von der Apothekerkammer aus NRW vorliegen, die darauf hinauslief: Die Kennzeichnung eines Lokaso-Fahrers, der die Apothekenware ausfährt, müsste zum Beispiel über eine Kappe von der Apotheke sichergestellt werden. Das hat nichts mehr mit Praktikabilität zu tun. Wenn ich drei Apotheken habe, dann weiß ich nicht mehr welche Kappe ich aufziehen muss.”

Hier liegt die Herausforderung nicht nur bei Logistikern oder Juristen. Politik und Kammern müssen für die sich wandelnde Digitalwelt manchen Interessenausgleich neu aushandeln.